Coffee Break: Und was ist Ihr Plan fürs Leben?

2. Dezember 2016

„Wie stellen Sie sich die nächsten zwei bis drei Jahre vor? Was haben Sie nach dem Studium geplant? Was ist Ihr Ziel?“ – „…“

Während eines Vorstellungsgesprächs stellte man mir genau diese Fragen. Die gleichen Fragen, mit denen Tante Trude die Stimmung an Heiligabend in den Keller befördert und man anschließend mit einer ausgewachsenen Panikattacke unterm Weihnachtsbaum sitzt. Zukunft! Diese Zukunft, die immer näher rückt, je älter man wird.

Und natürlich, die Fragen haben mir zu denken gegeben. Nicht, dass sie mir nicht ohnehin schon jahrelang im Hinterstübchen herum spuken… Muss ich einen Plan haben? Pläne ändern sich. Stetig. Lohnt es sich dann überhaupt Pläne zu schmieden, Hoffnung zu schüren um am Ende resigniert die Reste des Plans in die Tonne zu werfen, weil Berechnungen falsch waren oder sie durch äußere Einflüsse nicht pünktlich fertig geworden sind? Was ist mit Instinkten und Bauchgefühl?

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„Sie müssen doch wissen was Sie beruflich machen wollen. Was ist Ihr Ziel im Leben? Wofür brennen Sie?“

„Ich wollte bis zum Ende der Schulzeit Lehrerin werden, habe danach „irgendwas mit Medien“ gemacht, studiere nun Geographie, programmiere lustige Datenbanken und  bastle 3D Modelle aus Luftbildern. Ich weiß weder, was ich nächste Woche frühstücken werde, noch weiß ich, was in einigen Jahren passiert. Ich lebe jetzt.“

Das hätte ich gerne gesagt.

Ich drückte mich etwas weniger dramatisch aus, die Message war die gleiche. Und allein für die entgeisterten Gesichter wars das wert.

Was ist verkehrt daran, keinen Plan zu haben? Sich keinen Druck zu machen, dieses und jenes Ziel in einer bestimmten Zeit zu erreichen? Wieso muss man ein Ziel haben? Ein einziges? Wieso darf man sich nicht begeistern lassen für Dinge, von denen man vor kurzem vielleicht noch gar nicht wusste, dass sie einen begeistern könnten? Ist es nicht viel aufregender, nicht zu wissen was der nächste Schritt ist?

Ich bin schnell zu begeistern und ich lasse mich gerne begeistern. Wenn mein Politik- und Geschichtslehrer wüsste, dass (Post-) Kolonialismus und kulturelle Identität Westafrikas mittlerweile mit zu meinen Lieblingsthemen gehören, er würde mich einweisen lassen und an die 5 erinnern, die ich fürs Käsekästchen spielen in seinem Unterricht kassiert habe.

In Zeiten von #Girlboss, #Goalgang und #livethedream fühlt man sich als Alien, wenn man in Uschi Obermaier Manier nach dem Hier und Jetzt strebt. Natürlich habe ich meine Passion gesucht. Vielleicht habe ich sie ja tatsächlich nur irgendwann mal übersehen. Ich machte Listen von Dingen die ich kann, die mich interessieren, die ich gern können würde. Ich machte ebenso viele Listen mit Dingen, die ich nicht kann und die ich nicht will. Gefunden habe ich nichts. Keine Passion die den Hashtag #Goalgang verdient und keine Ziele, die sich so verkaufen lassen, dass man sie mir abnehmen würde.

Auf der Suche nach meiner Passion stieß ich auf Terri Trespicio…

Passion is not a job, a sport or a hobby. It is the full force of your attention and energy that you give to whatever is right in front of you. And if you’re so busy looking for this passion, you could miss opportunities that change your life. You could also miss out on great love because that’s what happens when you have tunnel vision trying to find the one. – Terri Trespicio

Ich muss zugeben. Ein bisschen habe ich gelogen. Ich habe Ziele. Manchmal plane ich sogar. Eigentlich finde ich einen ordentlichen strukturierten Kalender furchtbar gut. Nichts befriedigt mehr, als der Blick in die Monatsübersicht, auf meine To-Do Liste und während ich mit dem einen blauen Kalender-Stift, wieder etwas abhaken kann. Ich bin vor kurzem sogar so weit gegangen, dass ich Konzerttickets für Ende 2017 kaufte. Es sind schlicht keine beruflichen Ziele, die ein „ah“ oder „oh“ hervorlocken würden, sondern Tante Trude mit einer ausgewachsenen Panikattacke unterm Weihnachtsbaum zurück lassen würden.

Was ist euer (geheimer) Plan fürs Leben? Ich bräuchte da mal ein paar Musterbeispiele, falls mir nochmal solche unheiligen Fragen gestellt werden. 

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2 Comments

  • Reply Kathi 4. Dezember 2016 at 8:54

    Ersetze Tante Trude mit Oma Anna und du kannst dir mein Weuhnachten gut vorstellen. Ich war beinahe an ihrem Herzanfarkt schuld als ich zum dritten mal in zwei Jahren Job gewechselt habe. Und jetzt denke ich mir eigentlich so gar nichts, wenn ich an die Zukunft denke. Ich weiß nicht mal, wie lange ich hier bleiben werde. Und ich finde es so entspannend, mal keinen Plan zu haben :)

    • Reply Lara 4. Dezember 2016 at 22:31

      Wenn der Job nunmal nix ist…
      N Job, der keinen Spaß macht, ist für beide Seiten unproduktiv.

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