Die Island Chroniken: Der Schneesturm

Arbeitstitel: Zwischen „Ich fang mit dem Trinken an“ und „Scheiße, ich muss ja Auto fahren.“

28. Februar 2019

Das Wetter auf Island ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie, was kommt. Wirklich nicht. Vor dir hast du das schönste Wetter, im Rückspiegel aber geht die Welt unter. Unangenehmer wird es, wenn sich die Situation dreht. Wenn du in den Rückspiegel siehst und dich die Sonne blendet, alles was du aber vor dir siehst, eine große graue Wand ist, die sich als Schneesturm entpuppt…. 

Wenn du wissen willst, was ich im letzten Teil gemacht hab, hier geht es zu den Trollen. 

Disclaimer1: Das ganze Ding wurde von mir selbst finanziert. Ich habe von niemandem materielle oder finanzielle Gegenleistungen für einen Link, eine Erwähnung oder sonst was erhalten. Und trotzdem: WERBUNG: für verlinktes, für meinen Schlitten, den niedlichen Hund und Frau Holle.

Als die Welt noch in Ordnung war und ich Zeit und Nerven für Fotos hatte. 

Und es schneite und es schneite und es schneite und es hörte überhaupt nicht mehr auf zu schneien. Von der Fahrt hatte ich noch den ganzen Abend etwas. Auf dem Weg, weg vom Westen der Insel und meinem Holzzelt in Borgarnes hoch in den Norden Richtung Bolstadharhlidh (1 ½ Stunden vor Akureyri) kamen mir schon einige Autos entgegen, deren Grill vorne komplett zu war. Deren Nummernschilder von einem weißen Klumpen Eis bedeckt waren und die glücklich aussahen, dass sie endlich wieder die graue Suppe erreicht haben. Trocken, aber grau. „Kann ja so schlimm nicht sein!“ Die ersten Schneeflocken fielen. „Na komm, du hast Allrad.“ Ein paar mehr Flocken fielen. „Naja, ich hab ja Allrad.“

Disclaimer2: Ich bin mit Sommerreifen bei Schnee gefahren. (Es waren drei Flocken und ich würde es nie wieder tun. War scheiße.) Ich habe Aquaplaning mitgemacht, dichtester Nebel der mich so grad meine Motorhaube hat sehen lassen, ich bin bei Wind und Wetter gefahren und würde mich eigentlich als sicheren Fahrer bezeichnen, den so einfach nix umhauen kann. Bis ich in Island in diesen (vermutlich) kleinen Schneesturm geraten bin.

Der Schneesturm

Es schneite ein wenig. Ich fuhr an zwei jungen Damen in einem VW Golf vorbei, die am Straßenrand standen und sich nicht sicher waren, ob sie noch weiter fahren sollen. Die nächste Unterkunft war gebucht: „Ich müsste da schon durch.“ Sämtliche Unterkünfte waren gebucht und die Kilometer mussten gemacht werden. „Ich muss da durch.“ Wie immer halt. „Augen zu und durch.“ Und dann kam der Schnee und der Himmel wurde schwarz. Nicht nur ein wenig Schnee fiel, sondern Schnee, der dich keine drei Meter hat sehen lassen. Schnee, der die Straße in Nullkommanix zu einer Schlidderbahn hat werden lassen und Schnee, der dir in Böen um die Ohren wehte. Oder die Seitenspiegel. Spätestens, nachdem mir der erste Schneepflug eine ordentliche Ladung von der weißen Pampe zzgl. einiger Steinchen (Hallo Steinschlag) auf die Windschutzscheibe schaufelte, konnte ich dann auch nicht mehr leugnen, dass sich da ordentlich Panik breit machte. Und plötzlich bist du wieder Fahranfänger, umkrallst das Lenkrad, bekommst den Tunnelblick und Schweißausbrüche, ähnlich die denen, als der Fahrprüfer dich an dieser furchtbar großen Kreuzung links abbiegen ließ, ohne Linksabbiegerampel. Das Radio rauschte auch nur noch. Nichts Neues. White Noise soll ja angeblich die Konzentration fördern. Haltebuchten hat man erst gesehen, wenn man dran vorbei fuhr. Wenn überhaupt. Die 200 km von meinem Holzzelt zur nächsten Unterkunft dauerten gute 4 Stunden. Die Kilometer durch den Schnee fuhr ich mit zügigen 30km/h -wenn überhaupt- und einem furchtbar schlechten Gewissen gegenüber den anderen Fahrern in der Schlange hinter mir. Aber: “Wenn ich die Klippen* runter rutsche und in einem großen reißenden Fluss lande, dann können sie mich direkt retten.” So zumindest mein Gedanke. Und dann kam er schon wieder, der Schneepflug. Und aus den drei Metern, die du gesehen hast, wurden wieder diese paar Sekunden reiner Blindflug. “Keine hektischen Bewegungen und bloß nicht groß bremsen.” Und immer in der Hoffnung, dass da nicht plötzlich eine Kurve kommt, dass sich nicht plötzlich Autos vor mir auftun und dass der Schlitten beim bremsen nicht von der Straße rutscht. Hin und wieder wurde der Schnee weniger, mein Herz leichter, bis es um die nächste Kurve ging, einen Hügel hinauf oder hinunter und Frau Holle wieder ordentlich die Kissen geschüttelt hat. „Wenn der Bus aus der Richtung kam, dann kann es ja nicht so schlimm sein.“ Haha. Zum Glück habe ich erst später gelesen, dass bei solch einem Wetter erst kurz zuvor ein Bus verunglückt ist. 

Straßen auf Island

Die Straßen auf Island haben in der Regel keine Leitplanken. Ausgenommen die Straßen rund um Reykjavik, wo viel Verkehr ist und im Süden, wenn die Ring Road (1) am Meer entlang führt oder wenn man an Schluchten vorbei fährt. Normalerweise werden die Straßen und Buckelpisten von gelben Pöllern markiert. Das waren auch meine einzigen Hinweise, dass ich mich noch auf der Straße befinde und nicht Querfeldein fahre. An ihnen konnte ich mich auch orientieren, ob ich nicht ausversehn auf die Spur der entgegenkommenden Autos gefahren bin und an ihnen konnte ich die Straßenführung zumindest etwas aus machen. Ja, man hat wirklich nicht gesehen, wo man hergefahren ist.

Aber du hattest doch Allrad?! Pff, Zumindest mein Allrad war bei dem Wetter machtlos. Der kleine Schlitten rutschte fröhlich hin und her. Ich frage mich, für welches Wetter sich Suzuki dieses Auto (Jimny) überlegt hat. Drei Schneeflocken in der Stadt? (Ok, vllt kann ich auch einfach kein Auto fahren bei som Wetter.) 

Drei Kurven später hörte der Schnee plötzlich auf, die ersten Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch die dicken grauen Wolken und blaue Löcher am Himmel wurden sichtbar.  Und mit der Sonne kamen auch die Kopfschmerzen. Diese, bei denen man sich am besten in einem schallisolierten dunklen Zimmer einschließt. Great. Bis zur Unterkunft war es dann zum Glück auch nicht mehr weit. Stunde.

*Beim nachfahren der Strecke in Google Maps hat sich herausgestellt, dass die Klippe maximal ein Graben war und mir vermutlich nicht so viel passiert wäre, wie ich in meinem Kopf zusammengesponnen habe.

Guesthouse Review: Bólstaðarhlíð - Guest House

Die Unterkunft ist eine Einliegerwohnung im Haus der Hosts. Es gibt keine weiteren direkten Nachbarn, außer dem Stall und einer kleinen Kirche. Alles riecht neu. Man kommt durch einen separaten Eingang in die Wohnung; Wohnzimmer, voll ausgestattete Küche und 3 Zimmer mit Badezimmer. Alles neu, alles sauber, alles ziemlich bequem. Mein Highlight? Der Hund und die Katze, die ums Haus herum geschlichen sind. Alle Tiere, die mir auf Island übern Weg liefen, waren allesamt freundlich und aufgeschlossen und zutraulich. Sowas kennt man von den verzogenen Biestern in der Stadt gar nicht. Das Tier hat aufs Wort bzw. den Pfiff gehört, rannte hinterm Trecker her über die matschigen Wiesen, roch und sah nach Schäfchenstall aus und wenn das Hundetier etwas sauberer gewesen wär, dann hätte ich sie eingepackt und mitgenommen.

Wer plant, die 76 hoch, Richtung Hofsós zu fahren, dann liegt die Unterkunft super. Wer plant einen Tag in Akureyri zu verbringen, sollte sich die Unterkunft sparen und die 1 ½ Stunden weiter direkt bis Akureyri fahren. Oder zumindest bis Varmahlíð.

Zusammenfassung

  • Lage: 5/5
  • Preis/Leistung: 3/5
  • Ausstattung: 5/5
  • Sauberkeit: 5/5
  • Sonstiges: 4/5
  • Total: 22/25
  • Ø: 4,4

Autofahren auf Island

Im letzten Beitrag schrieb ich schon mal etwas darüber, wie ich meine Route geplant habe. Dass ich wenn möglich nur um die 250km pro Tag fahren wollte. Das Ding ist, so beeindruckend die Landschaft am Anfang auch sein mag, sie wiederholt sich. Aus einer 11/10 Begeisterung wird eine 9,5/10 und irgendwann ist dann auch die Autofahrt nur noch anstrengend, weil man nicht mehr groß aus dem Fenster guckt, da man in der Regel irgendwo schon mal einen Vulkan gesehen hat oder den Fjord, die Islandponys oder irgendwelche Klippen. Dass ich jedes mal “nur” um die 250km gefahren bin, hat mich im Norden, Süden und gegen Ende hin nur aufgehalten, weil ich an einigen Ecken hätte länger bleiben wollen und mir manche Ecken gut und gerne hätte sparen können, weil sie schlicht Zeitverschwendung waren. Irgendwo unter zu kommen, ohne größere Häuser Ansammlung oder Sehenswürdigkeiten und der Gewissheit, dass man Morgens erstmal einige Stunden bist zur nächsten Zivilisation fahren muss, ist Mist. In meinem Fall wäre es besser gewesen, ich hätte mir die Sicherheitsstops geschenkt. Nächste mal…

Nützliche Apps und Webseiten zu Wetter und Sicherheit wenn man auf Island unterwegs ist

Das Wetter spielt auf Island eine große Rolle. Dürfte mittlerweile jedem klar sein. Das Thema wird sich auch durch die nächsten Posts ziehen, weil ich nicht darauf vorbereitet war, dass es mich in wahrsten Sinne des Wortes so umgehauen hat. Ich bin Stadtkind. Das einzige was ich an Natur kenne, ist das Sauerland und vielleicht noch der Norden von Mallorca und das kann man wahrlich nicht mit der unberührten, wilden und unbezwungenen Natur von Island vergleichen. Wenn man Pech hat, nimmt man halt irgendwie alles mit. Aber es gibt kleine Helfer, die einen zumindest auf das was kommt vorbereiten. 

112 Iceland App

Was ich vor Island auch noch nicht gewusst habe, dass die 112 eine Euronotrufnummer ist. In ganz Europa und einigen anliegenden Staaten wie zB Schweiz oder Andorra gehört die Nummer zum Notrufsystem. Island hat daraus eine App gemacht. Die App gibts für Android, Windows und iPhone. Wenn was passiert brauch man nur auf den roten Knopf drücken und die Notrufzentrale bekommt deinen Standort direkt auf den Bildschirm. Es soll auch funktionieren, wenn man schlechten bis quasi keinen empfang hat. Wovon es auf Island doch einige Gebiete gibt. 

Ist man aber „nur“ in Gegenden unterwegs, in denen was passieren könnte, dann kann man vorher mit seinem Standort einchecken und nur im Falle dass was passiert wissen sie, dass sie nach dir suchen müssten, bzw. wissen, dass sich da Menschen rumgetrieben haben. 

Wetter: vedur.is

Die Wetterfrösche habens drauf, was die Wettervorhersagen für Island betreffen. Nicht selten habe ich die vorausgesagten Sonnenstunden/Kein-Regen-Stunden nutzen können um nochmal wo hin zu fahren. Auch sollte man die Wetterwarnungen nicht ignorieren. Sie stehen nicht umsonst da. 

Straßenkonditionen: road.is

Eine meiner Lieblingsseiten. Nicht nur ist die ganze Ringroad mit Kameras ausgestattet, sodass man sich die Straßenkonditionen ansehen kann, auch gibt es eine Übersicht, wie die Straßen befahrbar sind, wie viele Autos die letzten 10 Minuten und die letzten 24 Stunden über den Abschnitt gefahren sind, die Temperaturen und die Windstärke und -richtung. 

Da war ja noch was...

Die Kopfschmerzen hatten sich auch gegen Abend nicht verzogen. Der knurrende Magen wurde ignoriert. Mein piepsendes Handy wurde nur ignoriert. Diese verfluchten Polarlichter Apps, die einem schon in den letzten Nächten vergeblich Hoffnung machten. Schlaf war bitter nötig. Also zumindest so lange, bis die Zimmernachbarn vor den Zimmern auf der Terrasse herum turnten… So schnell waren meine Kopfschmerzen vermutlich noch nie verschwunden und ich aus den Souterrain Fenstern im Schlafanzug bei Minusgraden auf die Terrasse geklettert. „Good evening.“

Und beim nächsten mal, da bekommen wir ne Postkarte vom Teufel höchst persönlich...

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2 Comments

  • Reply Monthly Recap: März - Talk less, smile more! HAMILTON | ISABELLA BLUME 12. Mai 2019 at 18:30

    […] Island Chroniken: Der Schneesturm […]

  • Reply Monthly Recap: Februar - Besuch in Gießen, oder auch: ich bin alt geworden | ISABELLA BLUME 12. Mai 2019 at 18:41

    […] Island Chroniken: Der Schneesturm […]

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