Die Island Chroniken. Auf der Suche nach Polarlichtern.

Arbeitstitel: Scheiß Wetter!

1. Januar 2019

Polarlichter stehen schon seit vielen Jahren auf meiner Liste mit den guten Vorsätzen zum Neujahr. Nicht, dass ich da irgendeinen Einfluss drauf hätte, ob ich sie sehen würde, oder nicht. Die beste Chance hat man allerdings zwischen Oktober und März. Aus irgendwelchen Gründen ist dann die Aktivität am Höchsten, aber es ist auch noch stockduster, was der Sache nochmal zu Gute kommt. Mein Geburtstag ist Ende März, welch bessere Ausrede gibt es also, sich mal eben 2 Wochen ins Nirgendwo zu verabschieden? Island im März… grandiose Idee. 

Disclaimer: Das ganze Ding wurde von mir selbst organisiert und finanziert. Ich habe von niemandem materielle oder finanzielle Gegenleistungen für einen Link, eine Erwähnung oder sonst was erhalten. 

Was mich bisher davon abgehalten hat in den hohen Norden zu fliegen? Vermutlich mein leeres Konto. Ausflüge jenseits des nördlichen 60° Breitengrades sind meist nicht mit einem 20 Euro Ryanair Flug zu bewerkstelligen. Und ich war schlicht zu faul, mich an das Thema zu setzen. Großbritannien ist halt einfacher zu realisieren. Im Kopf hatte ich Island schon eine ganze Weile, wechselte sich aber immer mit Lappland ab, je nachdem welche Region grad wieder Werbung bei Instagram geschaltet hat.

 

Insgesamt dauerte es gut 4 Wochen, bis die Route stand, Unterkünfte, & Auto organisiert waren und irgendwie eine Liste zum abarbeiten stand.

Für mich stand von vorne herein fest, dass ich nur mit Carry On fliege. Auch im März und auch für länger als eine Woche. Das funktioniert seit Jahren hervorragend. Die Packliste kommt in einem späteren Post.

Die Carry On - Krux

Dein Carry On Gerödel haste aber auch dann dabei, wenn du dein Handy inkl. Boardingpass irgendwo liegen lässt und um 5 Uhr morgens kurz vor Boarding quer durch den Flughafen Keflavik rennen musst, in der Hoffnung die „iPhone suchen“ Funktion funktioniert und dein iPhone liegt wirklich noch an der Security. Lag es. Und ich habe das erste mal diesen Carry On Quatsch verteufelt.

Island im März - Welches Auto brauche ich?

#NoAd: Suzuki Jimny - Eierte schlimmer als der 18 Jahre alte VW Golf, auf dem ich das Autofahren gelernt habe.

Vorderrad? Allrad? Groß? Klein? Wo mieten? Welche Versicherungen? Die Frage aller Fragen. Vorweg: Je ehr man ein Auto bucht, desto günstiger ists. Da die Umrundung Islands von vorne herein fest stand und die Chance auf Schnee auch im März noch recht hoch ist, kam nur Allrand in Frage. Better safe than sorry! Gebucht habe ich über Billiger-Mietwagen.de. Und das Auto war von GreenMotion. Ich hatte keine Probleme. Nach der Landung ruft man an und wird mit einem Shuttle von GreenMotion abgeholt. Die Abholung dauerte gut 2 Stunden. Menschen. Die Abgabe war eine Sache von 10 Minuten. Es war allerdings auch 4 Uhr morgens und die Abholung 4 Uhr Nachmittags. Das Auto war unter der Karosserie in einem 1A Zustand. Ich würde dort vermutlich nochmal buchen. 

Tipps zum Mietwagen

  • Im Nachhinein habe ich gelesen, dass man online das Auto ohne jegliche Versicherung reservieren und dann vor Ort beim Vermieter Versicherungen abschließen soll. Die Versicherungen, die ich in meinem Paket hatte, waren von einem spanischen Anbieter (Car Del Mar) und wäre was passiert, hätte ich mich mit denen rumschlagen müssen. Müsste man mal genauer recherchieren.
  • Die Kaution liegt in der Regel bei mehreren 1000 Euro. Sieh zu, dass das Limit deiner Kreditkarte hoch genug ist. Ansonsten schwatzt man dir eine weitere Versicherung für einige Hundert Euro auf, um die Kaution zu senken. Oder du bekommst einfach dein bestelltes Auto nicht.
  • Wenn du das Auto abholst, mach Bilder. Von jeder Macke. Denn häufig vermerken die Vermieter schon vorhandene Macken nicht richtig und fragen bei der Abgabe dann nach.
  • Eine Versicherung für Unterboden und Windschutzscheibe sind essentiell. Ich habe mir auf dem Weg vom Flughafen nach Reykjavik den ersten Steinschlag eingefangen. Ein kleiner, aber er war da. Im Frühjahr, Sommer und Herbst kann es passieren, dass die Winde so heftig sind, dass dein Auto gesandstrahlt wird. Auch dafür gibts Versicherungen.
  • Vor allem im Süden sind Versicherungen gegen Sturm- bzw. Lackschäden eine gute Investition. Christine von Lilies-Diary kann da ein Liedchen singen. Ich war drei Tage im Süden unterwegs, hatte drei Tage richtig böses Wetter und habe drei Tage Blut und Wasser geschwitzt, weil ich keine Versicherung hatte.
  • Die Straßen werden relativ zügig geräumt, wenn es schneit oder geschneit hat. Viele in der Region um Reykjavik und auch im Süden waren nur mit Kleinwagen unterwegs. Es ist machbar. Am Ende kommt es darauf an, wo man hin möchte und wie sicher man fährt.

Snaefellness

Auf nach Reykjavik

Die Fahrt vom Flughafen zur ersten Destination war… interessant. Einerseits versucht man sich auf die Straße zu konzentrieren, sich mit dem Auto anzufreunden, sich nicht verrückt zu machen über den ersten Steinschlag, den man sich eingefangen hat. Andererseits ist es einfach nicht möglich. Rechts und links von der Autobahn ist nichts und trotzdem wandert der Blick von rechts nach links und wieder zurück. Unwirklich. Es ist flach, steinig. Kein Baum, kein Busch. Eine andere Welt, die man so noch nie gesehen hat. Man fährt auf weit entfernte Berge zu. „Seh ich die noch aus der Nähe?“ Viele der anderen Touristen in ihren Mietwagen fahren rechts ab. Richtung 1. Ring Road. Gegen den Uhrzeigersinn werden sie vermutlich fahren. Ich fahre mit dem Uhrzeiger, da ich Angst habe, dass ich die Klippen herunter fahre, weil ich meine Augen überall habe, nur nicht auf der Straße. Meine erste Destination ist IKEA. Wohin fährt man auch sonst in Island? Bei Bonus nebenan gibts Haferflocken, Reis, Tomatensoße, Milchalternativen und Kekse. Mein Festmahl für die kommenden 10 Tage. 

Ein Geräusch dominiert Reykjavik. Platte Reifen und diese kleinen Spikes in den Reifen, wenn sie auf Asphalt treffen. Das Geräusch hat mich schon in Tallinn wahnsinnig gemacht. Es hört sich an, wie der Platte Reifen, den man mal hatte, weil ein fetter Nagel in eben diesem stecke. 

In Reykjavik angekommen fiel ich dann nach über 16 Stunden auf den Beinen in einen Jahrhundertschlaf, den ich scheinbar bitter nötig hatte.

Guten Morgen! 

„Reykjavik Hostel Village“

Das Hostel war ausreichend. Da ich recht spät ankam war keiner mehr da. Für den Fall bekommt man den Code für die Eingangstür, wo man einen Briefumschlag vorfindet mit Schlüssel und einer Beschreibung in welchem Haus und Zimmer man wohnt. Bezahlt habe ich beim Checkout. Das Hostel ist ein bisschen verwohnt aber schon relativ sauber und das Bett so bequem, dass ich 11 Stunden durchschlafen konnte. Da ich den ganzen Trip über ausschließlich zum Schlafen in den Unterkünften war, hatte ich nur einen Anspruch an meine vier Wände. „Ich will Nachts meine Ruhe haben.“ Das hat auch bis auf eine Unterkunft ausgezeichnet funktioniert. Das Hostel lag recht Zentral. Parkplätze waren zur genüge in der Nachbarschaft vorhanden. Die Hallgrimskirkja sowie die Innenstadt konnte man in einem kurzen Fußmarsch erreichen.

 

Zusammenfassung 

  • Lage: 5/5
  • Preis/Leistung: 3/5
  • Ausstattung: 2/5
  • Sauberkeit: 3/5
  • Sonstiges: 3/5
  • Total: 16/25
  • Ø 3,2

Tag 2: „Þingvellir Nationalpark“

Als Geographie-Student ist Island das Schlaraffenland. Vieles, womit einen der Professor in der Einführungsveranstaltung zur Physischen Geographie irgendwann mal gefoltert hat, kann man dort am lebenden Objekt mit ansehen. Was hängen geblieben ist aus der Vorlesung? Nicht viel, aber ein tieferes Interesse für Vulkane und Plattentektonik.  

Den ersten Morgen hieß es „Þingvellir Nationalpark“. Von Reykjavik aus fährt man gut eine Stunde zum Park. Viele machen eine Tagestour draus und fahren den „Golden Circle“ ab. Nationalpark, Geysir, Krater und irgendein Wasserfall ist auch noch auf der Route. Auf meiner Agenda stand nach dem Park noch der Geysir. Die Parkplätze sind nicht kostenlos. Mit einer Kreditkarte kann man sich am Automaten ein Parkticket ziehen. Allgemein ist die Kreditkarte dein bester Freund in Island. Wer früh genug da ist, kann sich noch einen Parklatz aussuchen. Ab Mittag muss man Glück haben oder steht in der Matsche. 

Nicht nur ist der Park ein Wunderwerk der Natur, auch hat er für die Isländer eine besondere Bedeutung, da dort vor über 1000 Jahren das isländische Parlament und somit auch die Nation Island gegründet wurde.  Hier mehr dazu. 

Was mich fasziniert?  Der Nationalpark liegt zwischen der Eurasischen- und der Nordamerikanischen-Platte. Diese driften pro Jahr ca. 2 cm auseinander, sodass sich das Gebiet dazwischen absenkt. Vor einigen Jahren hat man im Fußweg ein kleines Loch entdeckt und nachdem ein bisschen weiter gebuddelt wurde, eine 10m tiefe Spalte entdeckt.

Der Park ist riesig, es gibt unendlich lange Wege, das Wasser kommt von einem Gletscher, wird durch die zich Schichten Lava gefiltert und ist glasklar. Wer mag, oder kann, der hat die Möglichkeit in einer dieser Spalten zu tauchen. Ich war nicht tauchen, nass geworden bin ich trotzdem. Drei Stunden später bis auf die letzte Lage. Meine Jacke war nicht wasserdicht, im Gegenteil. Und auch mein kleines Schirmchen hat nicht mehr viel ausrichten können. Ich glaube, der Tag war der erste und einzige in den 10 Tagen, an dem ich diesen Schirm benutzte, an dem ich meine Jeans trug, an dem ich meinen dicken Schal um hatte, keine geflochtenen Zöpfe hatte und an dem ich geschminkt war. Generell, an dem ich nicht ausgesehen habe, wie der Klischee-Tourist schlecht hin!

Und dann? 

Der Geysir ist ins Wasser gefallen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Was ich unterschätzt habe? Alles. Die Wege. Das Wetter. Geplant war eigentlich, mir den Nachmittag in Reykjavik zu vertreiben. Flötepiepen. Das Einkaufszentrum Kringlan liegt in der Nähe des Hostels. Dort ist es warm und trocken und es gibt einige Geschäfte in denen man sein Geld los werden kann. Zum Beispiel für wasserfeste Kleidung, das richtige Schuhwerk oder Postkarten, die man erst kurz vor Abflug einwirft. 

Und morgen? Da fahren wir nach Snaefellness...

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply Die Island Chroniken: Snaefellsness | ISABELLA BLUME % 18. Januar 2019 at 20:53

    […] Recap: Ich will Polarlichter sehen und habe im März Geburtstag. Welch bessere Ausrede gibt es also, sich im März nach Island zu verabschieden, um sich auf die Suche nach Polarlichter zu machen? Hier gelangst du zu Teil 1 der Serie.   […]

  • Leave a Reply

    Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.