Irgendwo zwischen London und Schweigekloster…

18. Januar 2016

In dem einen Augenblick fühlt man sich wie Lara Croft im Anderen dann wie Mahatma Gandhi. Ich weiß nicht, wem ich dafür die Schuld geben soll. Meinem Sternzeichen, wenn Lara Croft durchkommt oder den Genen, wenn ich wieder von Pipi Langstrumpf zu Mahatma Gandhi zu Martha Stewart springe? So sehr ich Ruhe liebe, Angst bei überfüllten Bussen und Bahnen bekomme und mich Menschen generell nerven; ich bin ein Großstadt-Kind. London ist die Stadt, in der alle meine Ängste eigentlich vollstens befriedigt werden… eigentlich. Und trotzdem wirkt diese Stadt auf mich wie Valium; Morphium und vier Wochen Schweigekloster. Zusammen.

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Wer an London denkt, hat vermutlich zuerst Queen Elisabeth im Kopf, dann vielleicht Prinz Harry oder Prinzessin Kate und zu guter letzt Fish and Chips. Wenn ich an London denke, fallen mir zuerst die weißen Häuschen mit schwarzen Zäunen ein, in denen ich wohnen möchte, saubere Straßen die ich bisher so nur im tiefsten Bayern gesehen habe, schwarzen Tee, den ich noch nie getrunken habe und die hübschen Tee Verpackungen von Marks & Spencer. Ich denke an die vielen gut angezogene Menschen mit denen man sich zusammen in die Tube quetscht. Vermutlich könnte ich den ganzen Tag U-Bahn fahren und Menschen beobachten. (Next Vacation: London Underground) Ich denke an dieses ungute Gefühl, ob man jetzt in die richtige Richtung geschaut hat, wenn man die Straße überqueren möchte, sowie das schlechte Gewissen den gehetzten Londonern gegenüber, wenn man in der Rush Hour nicht schnell genug durch die Tore zur U-Bahn kommt und man den Verkehr aufhält.

Und ja, an Prinz Harry denke ich natürlich auch.

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isabella-blume-london-travelblogger-tower-brigde-daytime5London ist wahrscheinlich eine der Städte, in der man selten seine Ruhe hat, noch seltener leere Busse und U-Bahnen antrifft und regelmäßig als Fotograf für Fremde fungiert. Doch, und so abgedroschen das jetzt klingt, ich verlor mein Herz irgendwo zwischen Hammersmith Bridge, Camden Market und Natural History Museum. Dieses Gefühl, sich nicht satt sehen zu können, die Aufregung, wieder einen Teil der Stadt kennenzulernen, wenn man an einer neuen U-Bahnstation aussteigt und die Freude darüber, beim umsteigen intuitiv in die Richtige U-Bahn zu steigen, ist wie ein Rausch. Ich genieße es, in London durch die Straßen zu spazieren. Immer der Nase nach. Vorbei an Touristenspots; viel lieber aber durch die Nachbarschaften – abseits. Dank nicht vorhandenem Orientierungssinn habe ich schon unfreiwillig mehr gesehen, von allen Städten, die ich bisher besuchte. (Allein über 20km an einem Tag in Dublin. Ups.) Ich stelle mir dann vor, wie es sich in der Nachbarschaft wohl wohnen lässt, wer dort wohnt und wie es wäre, selbst dort zu wohnen und ob die Stadt noch immer so toll wäre, wenn man jeden morgen in der Rush Hour zur Arbeit müsste.
isabella-blume-hammersmith-bridge-londonUnd ich will noch so viel sehen. Richtig sehen. Nicht nur mit dem Bus dran vorbei fahren oder laufen. St. Pancras (Staircase), Kew Gardens, the Shard (London von oben), Houses of Parliament von innen, Wicked (again), auf den Spuren von Sherlock Holmes wandeln, Notting Hill Karneval, Museum of London, Docklands… und und und. Mal ganz abgesehen von all dem, was es im Großraum London noch zu sehen gibt. Und ich bekomme hier keinen Marks & Spencer Tee und den Harrods-Kaffee nur, wenn ich Unsummen für Versand ausgebe, die er ohnehin schon ohne kostet.

isabella-blume-london-travelblogger-london-eye-daytimeIch habe keine Ahnung, wie es in einem Schweigekloster ist. Ich sah nie eins von innen, doch machte man mich darauf Aufmerksam, dass es für mich wohl auch nicht die richtige Lösung sei, in eines zu gehen, weil ich nicht so der Typ bin, der schweigt. Und der Kloster Typ erst recht nicht. Ok. Vielleicht lernt man aber in einer 8 Millionen Stadt, genau das. Dass man nicht alles mitnehmen kann. Dass man Dinge ausblenden muss, um von den ganzen Eindrücken nicht erschlagen zu werden. Vielleicht sind diese Millionen-Städte, die neuen Schweigekloster. Man muss sich auf sich selbst und seine Gedanken konzentrieren und das Qi fließen lassen, wenn nötig zwischen Victoria Station und Liverpool Street.

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Hätte ich nicht Geographie studiert, dann wäre es vermutlich Architektur gewesen. Hundertwasser und Gaudi sind meine Helden. Wenngleich beide nicht wirklich präsent in GB sind. Die Architektur in London erzählt Geschichten. Sie steht für verschiedene Epochen. Wie die unterschiedlichen Sedimente der Erde. Ob es allerdings Tatsächlich die Geschichte der Epochen ist oder einfach die Tatsache, dass Essen im 2. Weltkrieg dem Erdboden gleich gemacht wurde und jedes alte Gebäude damit für mich ein kleines Highlight ist, das besprechen wir mal wann anders.

Ich muss jetzt buchen.

In welcher Stadt hängt euer Herz?

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2 Comments

  • Reply Flo 18. Januar 2016 at 23:07

    ❤️

  • Reply Kathi 20. Januar 2016 at 15:52

    Jetzt vermisste sogar ich London :D
    Das ist jetzt Gänsehaut-Kitsch, aber ich hatte eine, als ich deinen Text gelesen hab und ich muss sagen, dass mich da die Liebe für London aus jeder Zeile anspringt (kein Wunder, wenn man Benedict Cumberbatch in der Tube treffen kann) und dass man hört, dass du dein Herz verloren hast und ach… es ist so schön und so gemein gleichzeitig, wenn man sein Herz an einem weit entfernten Ort verloren hat… meins hat sich auch nie wieder nach Hause bequemt und chillt jetzt so 10.000 Kilometer entfernt im Sonnenschein am Strand – ohne mich. Treuloses Ding ..

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