Tourist@Home: Weltkulturerbe Zeche Zollverein

1. Juni 2017

Ich wohne in einer  Stadt, die sich in diesem Jahr Grüne Hauptstadt Europas schimpfen darf. Ich wohne in einer Stadt, die vor einigen Jahren Kulturhauptstadt war. Und ich wohne in einer Stadt, die ich nicht wirklich kenne. Während der Schulzeit haben die Lehrer zwar mehr oder minder versucht, uns die eigene Stadt näher zu bringen, aber so wirklich weiß man erst, was man hatte, wenn es weg ist. Der Klassiker. Zum studieren ging es dann in die große weite Welt *hust* Gießen *hust* und die Heimat rückte ein kleines bisschen weiter in den Hintergrund. Ein bisschen viel weiter weg. So um die 200km. Jetzt bin ich seit zwei Jahren wieder in der Heimat und ich werde immer öfter gefragt, was man in Essen denn so machen kann. Wo kann man weg gehen? Was kann man tun? Was muss man gesehen haben? Welche Hotels kann ich empfehlen….

…. mal ernsthaft. Die Frage nach den besten Hotels ist ein schlechter Witz. Ich habe ein Bett hier, in dieser Stadt. Woher soll ich wissen, wie die Essener Hotels sind?

Die anderen Fragen beantworte ich meistens ausweichend, mit den gängigsten Hotspots die mir als erstes in den Sinn kommen. Villa Hügel, See, Zollverein… Ecken die in jedem Reiseführer stehen, man selbst aber noch nie oder zuletzt vor Ewigkeiten mal besucht hat. Diesen Fragen zum Anlass und meinem schlechten Gewissen meiner Heimat gegenüber mache ich mich zum Tourist. Ein Tourist@Home.

Zudem hab ich keine Zeit, in den nächsten Monaten auch nur einen Fuß in ein Flugzeug zu setzen. Aus dem Grund muss ich mir mein Entertainment eben zuhause suchen

Heute dreht sich alles um die Industriekultur in Essen. Bergbau war ein riesiges Thema im Ruhrgebiet und auch heute findet man noch an allen Ecken und Enden die Überreste dieser Zeit. 

„Laut und dreckig.“

Wer im Ruhrgebiet aufwächst wird mit Steinkohle und Bergbau sozialisiert. (Und Pommes Schranke.) Wenn es nicht der (Ur-)Opa war, der als Bergmann unter Tage gearbeitet hat, dann war es einer der vielen Geschwister von (Ur-)Oma und (Ur-)Opa. In meinem Fall war es der Uropa, der als Bergmann meine Oma und ihre 12 Geschwister versorgt hat.

Wenn ich meine Eltern oder Großeltern frage, wie es hier früher ausgesehen hat, dann bekomme ich meinstens „Laut und dreckig.“ als Antwort. Über der Stadt hing eine dicke Rußschicht, die vor allem im Winter gut sichtbar wurde, wenn sie sich auf den frisch gefallenen Schnee legte. Dazu die Kohle, die in allen Ecken der Stadt abgebaut wurde. „Früher wurde hier die Steinkohle quer durch den Wald abtransportiert.“, erzählten Oma und Opa Blume Sonntags beim Spaziergang und im nächsten Augenblick saß man auf einer Lore, die verloren im Wald herum steht und das Gebiet der Zeche Gottfried Wilhelm markiert. Das ist 25 Jahre her.

Heute ist von alle dem nichts mehr zu sehen. Die Stadt hat sich erholt, ist grün und die Ruhr so sauber wie nie. Hin und wieder wird mal wieder eine Straße gesperrt, wenn sich ein neuer Stollen aufgetan hat… aber hey, das gehört dazu. Der Pott is halt n Löcherkäse.

Weltkulturerbe Zollverein

Seit ich wieder zuhause bin, nehme ich mir nun vor, Zollverein einen Besuch abzustatten. Also seit ungefähr 2 Jahren. Das erste und letzte mal war ich dort mit der Schule, als wir das Red Dot Design Museum besuchten, welches sich ebenfalls auf dem Gelände befindet. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, aber ich bin mir sicher, wir haben während wir dort waren das nächste Wochenende geplant und nicht aufgepasst, was uns erzählt wurde.

Da sich das Wetter die letzten Wochen von seiner besten Seite zeigt, ging der sonntägliche Spaziergang der Familie Blume vor kurzem dann nicht wie sonst in den Wald, sondern zu Zollverein. In den letzten Jahren wurde das ganze Areal ziemlich gut ausgebaut und größtenteils auch Rollstuhlgerecht gemacht, sodass man problemlos seine Runde, vorbei an Kokerei und Kesselhaus, drehen kann. Der Zutritt zum Gelände sowie der Prakplätze generell ist kostenlos. Wer allerdings ins Ruhr Museum, Red Dot Museum und andere Ausstellungen möchte oder irgendeine Führung zu verschiedensten Themen über das Gelände mitnehmen will, der muss natürlich zahlen. Allerdings lohnt sich allein ein Besuch und der Gang vorbei an den alten Gebäuden schon und sollte unbedingt mitgenommen werden, wenn man in Essen unterwegs ist und noch ein wenig Zeit hat, während der Öffnungszeiten zwischen 10 und 18 Uhr.

Dies war auf jeden Fall nicht der letzte Besuch. Ich für meinen Teil muss mir schießlich das Red Dot Museum nochmal mit der nötigen Motivation ansehen.

Im Winter wird die Strecke auf dem letzten Bild zu einer Eisbahn umfunktioniert und dort wo früher bei zich 1000°C die Koksöfen heiß liefen kann man dann seine Runden übers Eis drehen.

Anfahrt: 

Zu erreichen ist Zollverein mit der Straßenbahn.

Vom Essener Hauptbahhof fährt die 107 direkt bis zur Haltestelle Zollverein. Die Fahrt dauert ungefähr 15 Minuten und kostet, wenn man kein Tagesticket oder ähnliches hat, um die 3 Euro.

Wer mit dem Auto kommt, findet einige kostenlose Parkplätze auf dem Gelände.

Wie siehts mit euren Touri-Guide Qualitäten aus, wenn es um die eigene Heimat geht? 

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