Von Abba bis Zimt: Stockholm Travel Diary

5. Januar 2019

Hmm, ich könnte direkt nach Hause fliegen. Allerdings kostet der Flug fast so viel, wie ein Flug nach Stockhom, 3 Tage dort und dann der Flug zurück nach Düsseldorf. 

Well… Auf nach Stockholm.

Wenn man von der Einöde, 100% Natur und 200% Stille in eine Hauptstadt fliegt, darf man sich nicht wundern, dass man sich erst einmal Fehl am Platz vorkommt. Auf dem Rückflug von Island machte ich einen Abstecher nach Stockholm. Vor einigen Jahren war ich felsenfest davon überzeugt, irgendwann mal nach Schweden auszuwandern. Es gibt da so einige Dinge, die man sofort mit den Schweden in Verbindung bringt. Alexander Skarsgård, Zimtschnecken, viele schöne Menschen, viele bunte Kanken Rucksäcke…. und natürlich, ABBA. Das Land hat wenige Einwohner, eine großartige Landschaft, Polarlichter und ein gutes Schulsystem. Die Schweden zahlen alles mit Karte und mitten in Stockholm befindet sich ein Freizeitpark mit Achterbahnen. Was willste mehr? 

Disclaimer: Das ganze Ding wurde von mir selbst organisiert und finanziert. Ich habe von niemandem materielle oder finanzielle Gegenleistungen für einen Link, eine Erwähnung oder sonst was erhalten. 

Vegan unterwegs: Zimtschnecken in Schweden

Für mich gab es nur einen Task, dem ich in Stockholm nachkommen wollte. Vegane schwedische Zimtschnecken finden. Über der ganzen Altstadt hängt eine Zimtwolke und selbst im Kakao war welcher drin. Und nachdem ich hier vor einiger Weile mal mein Rezept für vegane schwedische Kanellbullar veröffentlicht hab, musste ich doch kontrollieren, ob die Dinger die ich da fabriziert hab, mit dem veganen Original irgendwie mithalten können. 

In Gamla Stand gibt es eine Bio-Bäckerei, die primär vegane Sachen anbietet – Naturbageriet Sattva. Dank des Osterwochenendes hatte sie die ganze Zeit geschlossen und die einzige Möglichkeit, etwas zu bekommen, war kurz vor Abflug. Dort findet man für jeden Geschmack und jede Intoleranz irgendetwas. Der Inhaber war der freundlichste und zuvorkommenste Mensch, den ich jemals kennengelernt habe. Vielleicht bin ich auch voreingenommen, weil er mir diesen healthy-glutenfree-vegan-schlachmichtot Muffin geschenkt hat, den ich neben einer Tüte voll Zimtschnecken zum Flughafen schleppte. Er schmeckte healthy. Die Konsistenz war healthy, ich hatte die Stunden Wartezeit am Flughafen viel zu tun und die Putzkolonne nach mir mit Sicherheit auch. Sry. Aber die Zimtschnecken waren super.

Ekologikst Bageri
Naturbageriet Sattva
Stora Nygatan 6 
111 27 Stockholm

„All you can eat“!  Mehr Infos? Nein? Im Hermitage gibt es fast ausschließlich vegane Küche. Für 100 schwedische Kronen (ca. 10€) kann man sich entweder vor Ort den Wanst voll schlagen oder man nimmt sich etwas mit. Letzteres war meine Option, weil zur Mittagszeit als ich Essen brauchte, absolut kein Platz mehr in dem  Laden war.  Drei volle Container mit Gemüse, vielen Kohlehydraten und Suppe waren ausreichend für den Rest des Tages. Absolut zu empfehlen. 

Adresse: 
Hermitage
Stora Nygatan 11
111 27 Stockholm

Unterkunft: Hostel Review - The Red Boat

Zum Glück bin ich kein Pirat geworden. Ich hätte mich vermutlich zeitnah auf einer einsamen Insel niedergelassen und mit Jack Sparrow Rum getrunken. Mir wird auf Booten/Schiffen schlecht. Mal mehr mal weniger. Aber weil Schweden teuer ist und ich zuvor mein Konto in Island zu sehr strapaziert habe, blieb für Stockholm nur noch der Kutter übrig von denen es zwar diverse gibt, diese aber auch in der ganzen Stadt verteilt liegen. Für mich kam allerdings nur irgendwas in der Nähe des Zentrums in Frage. Den Röda Båten ist es dann geworden – keine 15 Minuten Fußmarsch von der Altstadt Gamla Stan entfernt. Günstig und ausreichend für 1-2 Übernachtungen, wenn man keine Ansprüche hat. 

Die Unterkunft
Das Zimmer hatte eine Größe von maximal 6qm, inkl. Stockbett, Tisch und Kleider“schrank“ für Klamotten und Koffer. Es lag auf der Fußgängerseite des Flusses, die Aussicht beschränkte sich also auf eine Betonwand. Nachts klopften die Eisschollen rhythmisch ans Boot und trotz Heizung wurde es nicht warm und es roch muffig. Aber was erwartest du auch von einem in Eis liegendem Holzkutter? Einzig positives: Eigentlich gab es nur WLAN im Aufenthaltsraum. Da das Zimmer unter eben diesem lag hatte ich ausgezeichneten WLAN Empfang. 

Im Vergleich zum Bad, war das Zimmer äußerst luxuriös. Es gab unisex Toiletten ohne Waschbecken. Die Nasszelle mit der Dusche und Waschbecken konnte man nicht abschießen und die Mitmenschen auf dem Boot haben alles menschenmögliche daran gesetzt, das Bad jeden Morgen in eine Raststättentoilette zu verwandeln. Menschen ey….

Zusammenfassung
  • Lage: 5/5
  • Preis/Leistung: 4/5
  • Ausstattung: 3/5
  • Sauberkeit: 3/5
  • Sonstiges: 3/5
  • Total: 18/25
  • Ø 3,6

Was habe ich gelernt?
Ich bin dankbar dafür, dass mein Bett eigentlich doch ziemlich bequem ist, auch wenn mein Rücken oft anderer Meinung ist. Ich bin dankbar für die Fußbodenheizung. Ich bin dankbar für ein sauberes Badezimmer und ungestört bei 40 Grad duschen. Ich bin dankbar für isolierte Wände in meinem Zuhause. 

Hin und wieder tut solch eine Absteige doch mal ganz gut, denn man vergisst viel zu oft, dass man eigentlich viel zu verwöhnt ist und seine Ansprüche vielleicht überdenken sollte . 

Nichtsdestotrotz, für einen City-Trip über 1-2 Nächte ist das Boot super.  Die Zimmer sind sauber, vor 6 und nach 12 wenn die Putzkolonne durch ist, sind auch die Badezimmer noch tiptop und den Rest des Tages ist man ohnehin dabei, die Stadt zu erkunden, die quasi vor der Haustüre liegt. 

 

 

Free Walking Tour

Wenn ich irgendwo hin fahre bin ich normalerweise auf alles vorbereitet. Es gibt kleine Ausnahmen, aber generell kann ichs mit jeder Apokalypse aufnehmen. Stockholm war anders. Ich habe nichts geplant, nichts rausgesucht, ich wusste lediglich wo mein Piratenschiff angelegt hat und ich wusste, wie ich zu der Bäckerei mit den veganen Zimtschnecken komme. Ein Plan musste her, wie ich in der kurzen Zeit, möglichst viel sehe, ohne mich vorher durch diverse Blogs und sonstige Portale zu wühlen. Das Konzept der Free Walking Tour war mir schon seit Riga ein Begriff. Man findet sich zur vorgegebenen Zeit am vorgegebenen Punkt ein, die Tour dauert für gewöhnlich zwischen ein und zwei Stunden und am Ende gibt man so viel, wie einem die Tour wert war. Ich habe zwei verschiedene Touren gemacht. Eine durch die Altstadt Gamla Stan und eine durch den „Rest“ der City. Jede Tour ist anders, je nach Schwerpunkt des Guides und ich würde sie jedem der Stockholm besucht wärmstens empfehlen. 

Unterwegs in Stockholm

Und tatsächlich finde ich mich wieder da, wo ich schon die 2 Wochen zuvor rumgegeistert bin. Abseits der Touristenmengen, in den kleinen Gassen der Altstadt Gamla Stan; rechts und links alte Kaufmannshäuser, an einigen ist sogar noch der Galgen zum Speicher angebracht. 

 

 

 

 

 

Hier hat vor vielen Jahrzehnten mal ABBA gewohnt.

Mårten Trotzigs Gränd

Die Mårten Trotzigs Gränd ist die schmalste Gasse in Stockholm und misst an der schmalsten Stelle grade mal 90cm. Eine Treppe führt hinunter und der Sage nach heißts, wenn man die ganze Gasse entlanggehen kann, ohne dass man die Hände von den Wänden rechts und links nehmen muss, dann hat man 35 Wünsche frei. Für jede Stufe einen. Mit Gegenverkehr reicht es, wenn man es einmal schafft, die Arme auszubreiten und gleichzeitig die Wände berührt, dann hat man zumindest einen Wunsch frei.

Was habe ich sonst noch so gelernt?

  • Schweden will bis 2030 cash-free sein. (Du brauchst auch jetzt schon kein Bargeld mehr, kannst aber mit Bargeld bezahlen. Das Kleingeld welches du raus bekommst, nehmen viele Geschäfte allerdings nicht mehr an. Scheinchen only.)
  •  Stockholm ist im Sommer schöner. Das sagten beide Tour-Guides. 
  • Wo die Schweden früher in die Kirche gegangen sind, gehen sie heute an Sonntagen in ein anderes Gotteshaus. IKEA!
  • Deutschland verkauft einen Teil seines Mülls nach Schweden, die daraus Strom erzeugen. Weil die Schwede den Müll besser verwerten können. 

Skinnarviksberget

Das Ding mit der Aussicht. Hochklettern und Überblick bekommen. 

Was willste mehr? 

Nach 3 Tagen Stockholm bei Eiseskälte war es ein Segen, in Düsseldorf bei fast 20 Grad aus dem Flieger zu steigen. Vielleicht warte ich noch ein wenig den Klimawandel ab und entscheide dann, ob ich in den hohen Norden auswandern will. 

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1 Comment

  • Reply Monthly Recap: Januar - Vom Müll vor der eigenen Haustüre und "Bom dia Lisboa" | ISABELLA BLUME 20. Februar 2019 at 12:55

    […] Von Abba bis Zimt: Stockholm Travel Diary […]

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